Fluchtpunkt Capri
Die Norman Douglas-Story
«Die Aufgabe des Lebens besteht darin, sich selbst zu genießen, alles andere ist Gaukelei.» Norman Douglas
Pressestimmen
Bisweilen findet man Meisterstücke auch auf der Bühne. Paul Sondereggers Stück »Fluchtpunkt Capri« ist ein solches. Ulrich Schuch, Il Gabbiano di Capri mehr...
Der bühnenpräsente Schauspieler Paul Sonderegger zeigte dem Publikum in Mimik, perfekter Diktion und flexibler Verwandlungskunst die zahlreichen Facetten des einst berühmten Douglas. Edgar Schmidt, Vorarlberger Nachrichten mehr...
Flucht, Suche, Sehnsucht — das atemlose Leben des Norman Douglas
Wie wird ein britischer Schriftsteller Ehrenbürger von Capri? Warum muss er als Diplomat eine überstürzte Flucht aus Sankt Petersburg antreten? Wieso sitzt er in England und in Österreich je eine Woche in Untersuchungshaft? Und weshalb flieht er in Italien vor der Polizei?
Er war eine der schillerndsten Personen seiner Zeit: Norman Douglas (1868–1952), Nachkomme einer schottischen Industriellenfamilie aus dem österreichischen Vorarlberg, prominenter Schriftsteller, scharfsinniger Denker, passionierter Reisender, Lebemann, Genießer, zeitweise Diplomat, zwischenzeitlich Familienvater. Erzogen in der Tradition der britischen Oberschicht, akzeptiert er die gesellschaftlichen Normen und Konventionen seiner Zeit schon bald nicht mehr. Sein Leben lang versucht er konsequent und radikal nach eigenen Vorstellungen zu leben, individuell, frei, unangepasst. Seine Diplomatenkarriere muss er beenden, weil eine seiner Geliebten in St. Petersburg ein Kind von ihm erwartet. Douglas verlässt Russland. Trotz zahlreicher Affären mit Frauen fühlt sich Douglas zugleich zu jungen Männern und Knaben hingezogen, eine Liebe, die in seiner Zeit unter Strafe steht, mit einem gesellschaftlichen Tabu belegt ist.
Die Freiheit, die Douglas meint, findet er wie so viele Zeitgenossen auf Capri. Doch das erhoffte Glück am Sehnsuchtsort im Golf von Neapel ist gefährdet. Es gibt Enthüllungen, Skandale, Gerichtsverfahren, Pressekampagnen. Prominenz und auch Geld schützen nicht vor Verfolgung. Der Industrielle Friedrich Alfred Krupp gerät durch einen Denunzianten in Bedrängnis, ein Skandal wird entfesselt. Oscar Wilde ist Jahre zuvor in England eingekerkert worden. Krupp und Wilde zerbrechen an den Widerständen. Norman Douglas wird sehr vorsichtig. Er lebt in einem Spannungsfeld zwischen äußerlicher Anpassung und privater Anarchie.

Fluchtpunkt Capri — Das Stück
«Die Quellen der Liebe — wer will sie bloßlegen?» Norman Douglas
Fluchtpunkt Capri nähert sich Norman Douglas und seinem Werk mit künstlerischen Mitteln. Szenen seines Lebens treffen auf Momente aus Douglas' literarischem Werk. Wer war dieser Norman Douglas? War er ein Glücksucher, der sich Teile seiner Träume verwirklichen konnte? War er ein Getriebener, der vor sich selbst floh? War er ein kauziger britischer Snob? War er ein selbstverliebter Egoist, der sich der Annehmlichkeiten und der Privilegien seiner Stellung in einem tradierten System nur zu gerne bediente, das er andererseits so vehement ablehnte? Wie viel Freiheit hat das Individuum eigentlich? Wo liegt der schmale Grat zwischen berühmt und berüchtigt?
Fluchtpunkt Capri bringt das atemlose Leben des Norman Douglas erstmals auf die Bühne, in einer spannenden Verbindung aus biographischen Schlaglichtern und Momentaufnahmen aus seinen Werken. Die Faszination, die Widersprüche und die Tragik dieses Künstlers, den man im englischsprachigen Raum in einem Atemzug mit James Joyce und T. S. Eliot nennt, werden in Fluchtpunkt Capri hautnah spürbar. Gleichzeitig wird dabei das Schaffen eines im deutschsprachigen Raum noch immer weitgehend unbekannten Dichters ausgegraben.

Mit Elementen des Theaters, der Rezitation, der Performance, mit Video-Projektionen und Sound-Collagen beleuchtet Fluchtpunkt Capri Norman Douglas und seine Zeit. In seinen Texten hat Douglas höchst moderne, heutige Fragen gestellt: Fragen, die nach wie vor aktuell sind, und die erst heute offen und differenziert diskutiert werden können. Das Stück ist eine aufregende, immer wieder überraschende und faszinierende Reise in eine vergangene Epoche, in ein Italien, das für viele zum Land ihrer Sehnsüchte und Träume wurde, für Douglas zum Fluchtpunkt Capri.
Idee, Textfassung und Darsteller: Paul Sonderegger
Regie: Klaus Kowatsch
Bühne und Kostüme: Roy Spahn, Nele Ahrens
Videos: Jürgen Salzmann
Musik: Matthieu Burner
Fotos: Frank Heckel
Die Produktion wird gefördert vom Land Vorarlberg und untertstützt von der Norman-Douglas-Forschungsstelle Bregenz.
